Von 100 Jugendlichen und Schulkindern in Deutschland sind 10 bis 20 übergewichtig, oft fördern falsche Erziehung und schlechte Essgewohnheiten bereits im Kindesalter die späteren Pfunde. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts hat sich die Zahl der Übergewichtigen alarmierend erhöht. Den Grund dafür weiß Ernährungscoach Reza Hojati aus Kiel: "Wenig Bewegung, hoher TV-Konsum und Schlafmangel zählen heutzutage bei vielen Kindern zum Alltag. Erwiesenermaßen beeinflussen diese Faktoren das Körpergewicht sehr stark." Deutlich wurde zudem, dass sich in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster auf ein späteres Übergewicht auswirken können.
Ab wann ist ein Kind zu dick?
Der Body-Maß-Index (BMI) gibt Aufschluss über das Idealgewicht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Wenn die 90. bis 97. Perzentile bereits überschritten ist, handelt es sich um Übergewicht bzw. sogar Fettleibigkeit. Bei jüngeren Kindern kann man im Vorsorgeheft sehr gut die Gewichtsentwicklung verfolgen und gegebenenfalls Maßnahmen treffen.
Hunger und Sättigung erkennen
"Wenn du deinen Teller nicht leer isst, gibt es morgen schlechtes Wetter!" Wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz der Großeltern oder überfürsorglicher Mütter, die ihre Enkel und Kinder dazu motivieren möchten, den Teller schön brav leer zu essen. Doch auf diese Weise lernt der Nachwuchs von Anfang an ein falsches Essverhalten. "Vor allem, wenn Kinder vorher nicht selbst über die Größe ihrer Portion entscheiden, erleben sie die Nahrungsaufnahme schnell als vollständig von außen vorgegebenen Vorgang"§, betont Reza Hojati. So geht nicht nur der Genuss am Essen verloren, auch die Empfindung für Hunger und Sättigung tritt in den Hintergrund.
Eltern sind Vorbilder
Die Eltern nehmen, wenn es um das Essverhalten der Kleinen geht, eine wichtige Vorbildfunktion ein. So bestätigt das Robert-Koch-Institut in seiner Studie, dass Kinder von übergewichtigen Eltern das höchste Risiko für Übergewicht aufweisen. "Daher ist es wichtig, Kindern vielfältige Lebensmittel anzubieten und sie selbst entscheiden zu lassen, was ihnen schmeckt", erläutert Reza Hojati. "Stehen jedoch bei den Erwachsenen nur Fast Food oder andere einseitige Kost auf dem Speiseplan, erhält der junge Körper nicht die benötigten Nährstoffe."
Durch dick und dünn
Ist das Kind übergewichtig, gilt es, das Essverhalten umzustellen. "Meist hilft es, wenn die gesamte Familie ihre Essgewohnheiten anpasst", weiß Reza Hojati. "Auf diese Weise fühlt sich das betroffene Kind nicht ausgegrenzt. Außerdem entsteht ein positiver Nebeneffekt, da alle Familienmitglieder von den Veränderungen profitieren." Kinder müssen lernen, ihrem Körper wieder zu vertrauen und nur zu essen, wenn sie echten Hunger empfinden – und nicht, weil Zeit zum Essen ist.
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