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Religion als Bildungsauftrag in Kitas - Appell an die Toleranz

Religion als Bildungsauftrag in Kitas

Appell an die Toleranz


Laut einer religionspädagogischen Studie, die von der Stiftung Ravensburger Verlag finanziert und begleitet wurde, gibt es deutliche Defizite in Sachen interreligiöser Bildung in deutschen Kitas. "Kinder brauchen Vertrauen in das Leben und Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft, egal welchen Glauben sie haben." Mit diesen Worten bestärkte  Dr. Frank Mentrup MdL, Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport den wichtigen interreligiösen Bildungsauftrag in der frühkindlichen Erziehung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass fast jedes achte Kind aus einer muslimischen Familie stammt. Gestern wurde im Rahmen einer Fachtagung in Stuttgart aus den repräsentativen Daten des Forschungsteams der Universität Tübingen ein Katalog von Empfehlungen für die Praxis vorgestellt. An der Tagung nahmen mehr als 200 Verantwortliche aus Kita-Trägerorganisationen, Bildungs-, Sozial- und Jugend-Politik teil.

Das Wissenschaftlerteam befragte in erster Linie Erzieher/innen an Kitas, Eltern und Kinder und entwickelte daraus einen Empfehlungskatalog für Praxis und Politik. Die Ergebnisse sprechen für sich - so findet in deutschen Kindergärten interreligiöse und interkulturelle Bildung so gut wie gar nicht statt, wobei interkulturelle Bildung deutlich anerkannter ist als interreligiöse Bildung. 77 Prozent der Kinder blicken auf eine unterschiedliche Religionszugehörigkeit, das erfordert eine entsprechende Umstellung und neue Verhaltensweise. So dürfen zum Beispiel Kita-Kinder oft aus religiösen Gründen bestimmte Lebensmittel nicht essen. Erzieherinnen und Erzieher sowie Tageseltern müssen in der Umsetzung eine Vorbildfunktion einnehmen und durch passgenaue Ausbildungsinhalte darauf vorbereitet werden, konkrete religiöse Inhalte zu vermitteln. Wenn möglich sollten auch Teams aus Erziehenden mit unterschiedlichen Konfessionen eingesetzt werden, die den Kindern Toleranz, Respekt und Wertschätzung für andersgläubige Menschen nahebringen.

Damit die Bildungspolitik entsprechend reagieren kann, haben die Wissenschaftler nun einen Katalog von Empfehlungen zur interreligiösen Bildung in Kindertagesstätten mit wichtigen Themen zusammengestellt – hier werden Punkte wie z.B. die Einbindung von Geschichten aus Bibel und Koran oder Besichtigungen von Kirchen, Moscheen und Synagogen berücksichtigt.  Letztendlich geht es jedoch darum, das Bewusstsein für eine multireligiöse und multikulturelle Welt zu öffnen und Kinder darin zu bestärken, Menschen mit anderem Glauben ohne Vorurteile zu begegnen und die Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung wahrzunehmen.

Fragen zu verschiedenen Religionen? Wissenswertes zum Islam, Christentum oder Buddhismus gibt es unter Wissen-Digital.de

 
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